Die Arbeitsüberlastung von Ingenieuren steigt

Referentin: Daniela Wühr, Diplom-Soziologin von ISF München

Daniela Wühr präsentiert "Innovation und Arbeit. Überlastungsgefahren für Ingenieure in der betrieblichen Praxis" auf der Klausurtagung des Verdi Landesfachgruppenvorstands Industrie Bayern und des AIN (Arbeitskreis Ingenieure und Naturwissenschaftler) Landesbezirksvorstands Bayern.

Das ISF München hat eine umfangreiche Befragung in Forschung und Entwicklungsabteilungen bei Groß- und Mittelständischen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus durchgeführt. Als Ergebnis dieser Befragung ist eine zunehmende Überlastung von Ingenieuren festzustellen.

Informeller Austausch zu den Faktenlieferanten wurde durch formellen Austausch entlang des Product-Life-Cycle (PLC) und Analyse der Industriereifephasen ersetzt. Auch außerbetriebliche Kooperation in Abstimmung mit Kunden und Lieferanten sowie mehr Internationalisierung haben zu Mehrarbeit geführt.Durch die starke Zunahme von Nebentätigkeiten (ca. 30% wie Dokumentationsaufgaben, Betreuung von geerbten Aufgaben, Meetings) bleibt immer weniger Raum für die Kerntätigkeit. Während früher der Entwicklungsleiter auch das Projekt geleitet hat, wird zunehmend Prozess und Fachlichkeit entkoppelt, vom Projektmanagement zur Verwaltungstätigkeit.

Innovationen werden von Menschen gemacht, die hochqualifiziert auch gern an ihren Grenzen arbeiten. Aber über 50 % der Mitarbeiter fühlen sich heute schon mit ihrer Leistungsfähigkeit am Anschlag. - Kann da noch Innovation entstehen?

Daniela Wühr sieht die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der untersuchten Branche in Gefahr. Folgende Situation fand sie bei ihrer Untersuchung vor: Mehr Arbeit und weniger Köpfe, 50 Std/ Woche als Regel, weniger Zeit für Weiterbildung, weniger Freiraum für Kreativität – dies ist der traurige Alltag.

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Prävention, Überlastungsanzeige
Gefährdungsbeurteilung und betriebliches Eingliederungsmanagement- was können wir effektiv tun?

 

Problemfelder und Handlungsmöglichkeiten für den Betriebsrat und die Betroffenen

Referentin: Irena Schauer, Rechtsanwältin

In Ihrem Referat hat Irena Schauer den Teilnehmern der Veranstaltung viele Fakten dargestellt. So ist die Zahl der krankheitsbedingten Rentenzugänge wegen psychischer Erkrankung ebenso gestiegen, wie die Zahl der krankheitsbedingten Kündigungen. Viele Arbeitgeber möchten Mitarbeiter mit psychischer Erkrankung nicht weiter beschäftigen. Auch das EGH Urteil zur Unverfallbarkeit des Urlaubs hat bewirkt, dass vermehrt Langzeiterkrankte gekündigt werden.

56% der Betriebe haben Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt, jedoch nur 20% einschließlich psychischer Belastung, so Irena Schauer.

Wo hat nun der Betriebsrat Möglichkeiten zur Mitbestimmung. Bei der Gefährdungsanalyse hat er bei der Fragestellung ein Mitbestimmungsrecht gemäß § 87 BetrVG. Die Mitarbeiter sollen sagen, was sie als Belastung sehen.

Weiter muss vor einer Unterweisung am Arbeitsplatz, eine Gefährdungsanalyse durchgeführt sein.

Betroffene haben die Möglichkeit mittels Gefährdungsanzeige zu ihrem eigenen Schutz eine Belastungssituation zu melden. Wenn dann z.B. Arbeitsfehler wegen Überlastung entstehen (z.B. Terminsache bleibt liegen und dem Arbeitgeber entsteht dadurch ein Schaden), kann der Mitarbeiter dafür nicht regresspflichtig gemacht werden. Überlastung kann oft anhand von konkreten Zahlen (z.B. lfd. steigende Aufträge und Projekte, oder lfd. Arbeitszeitverstöße) nachgewiesen werden.

Bei Burnout (Krankheitsbild schwere Depression), wird oft eine „befristete Schwerbehinderung“ diagnostiziert. Der Betroffene hat dann Anspruch auf Teilzeit auf Grund seiner gesundheitlichen Einschränkung. Die Schwerbehindertenvertretung ist hier einzubinden.

Bei einer Erkrankung > 6 Wochen wird das Verfahren des Betrieblichen EingliederungsmanagementsBEM eingesetzt. Erkrankungen können auch ein Indikator für Überlastung sein. Ausdrücklich warnte Irene Schauer vor dem Instrument der dauerhaften Mehrarbeit.

Die BEM ist ein Präventionsverfahren. Daher soll der Kontakt zu Langzeitkranken nicht abreißen. Der BR hat Anspruch auf die Daten. Viele Arbeitgeber neigen dazu, Langzeitkranke nicht weiter zu beschäftigen. Daher müssen beide Seiten (AG und BR) den Willen haben, einen geeigneten Arbeitsplatz innerhalb der Firma zu finden.

 

Auf folgende gesetzliche Grundlagen wurde im Vortrag verwiesen:

Pflicht zur Gefährdungsanzeige                                    § 12, 17 ArbSchG und § 254 BGB
Mitbestimmung bei Bildung                                           § 97 II und § 98 BetrVG
Prävention                                                                     § 87 I Nr. 7 BetrVG
BEM (Betriebliches Eingliederungsmangement)           § 87 I Nr. 1 BetrVG
Beschwerderecht                                                           § 84, 85 BetrVG

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23. Bayerischer Ingenieuretag am 23. Januar 2015

Ingenieure setzen Maßstäbe

In seiner Begrüßung vor rund 1.000 Gästen, ging Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, auf die Bedeutung der Ingenieure für den technischen Fortschritt und die ökonomische und baukulturelle Entwicklung der heutigen Gesellschaft ein. Er skizzierte dies an der Tradition (25 Jahre Ingenieurkammer Bau, jetzt 6.400 Mitglieder), dem Fortschritt und der Innovation. Ingenieure setzen Impulse für die Zukunftsfähigkeit des Landes.

Ministerialdirektor Dipl.-Ing.Univ. Helmut Schütz, Leiter der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr ging in seinem Grußwort auf den Investitionsstau bei der Infrastruktur (Bahn, Brückenbau, etc) ein. Seine Behörde beschäftigt 11.000 Mitarbeiter und vergibt Aufträge in Höhe von 8 Mrd. €/ Jahr. 85% der Planungen werden an freie Ingenieure vergeben, 15% nur noch in Eigenleistung um die Kompetenz zu erhalten. Er mahnte an, dass Ingenieure die Technik verständlich machen sollten und mehr in der Öffentlichkeit sich zu Wort melden sollten.


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Energie- und Umweltseminar 2014 in Brannenburg

Power-to-Gas:

Energiespeicherung durch die Kopplung von Strom- und Gasnetzen

 

Euer OttoBrumm

Mit „Power to Gas“ war der Vortrag von Herrn Siegmund (Fa. MOVE) überschrieben. Die Umwandlung von Kohlendioxid (CO2) mit Hilfe des durch die Wind- oder Photovoltaik-Anlagen erzeugten Stromes (WindGas, SonnenGas) ist wohl eines der interessantesten Projekte um Strom als Gas zu speichern. Der komplizierte technische Prozess, der der Methanisierung von CO2 und Wasserstoff (H2) zugrunde liegt, wurde vom Referenten anschaulich dargestellt und von allen Teilnehmern begeistert aufgenommen. Die Grundidee der Methanisierung liegt in dem Umstand, Wasser (H2O) und Kohlendioxid in Methan (CH4) umzuwandeln und das so gewonnene Gas in die bestehenden Untertagespeicher und in das flächendeckende Gasnetz einzuspeisen. Die Methanerzeugung geschieht zunächst über den Zwischenschritt der Elektrolyse, wobei hier mittels Strom Wasser in seine beiden Bestandteile Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O) zerlegt wird. Im weiteren Prozessverlauf wird dann der Wasserstoff mit dem Kohlenstoffanteil des CO2 durch Methanisierung zusammengeführt so dass das synthetische Gas (CH4) entsteht.

In wieweit die technische Realisierung der unterschiedlichen Speicherprojekte umsetzbar ist hängt auch von den (energie)politischen Rahmenbedingungen ab, wie die Generalsekretärin der bayerischen SPD und MdL Natascha Kohnen erklärt. Die Umsetzung des ab 1.August geltenden neuen EEG, das Erreichen der Klimaschutzziele und die gegensätzlichen politischen Standpunkte der im Bund und Land vertretenen Parteien konnten mit den Seminarteilnehmern ausführlich diskutiert werden. Die Energiepolitik der großen Koalition, die Förderbestimmungen zur Energieeinsparung, die Energiewende sowie der Netzausbau und die Netzstabilität fanden ebenfalls in ihrem Vortag Platz. Als Schlüssel zur Energiewende ist die Energiespeicherung anzusehen, so ein Kernsatz ihrer Ausführungen. Die Elektromobilität, sei es in der Automobilindustrie oder in der Luftfahrt, wird als breiter Zukunftsmarkt gesehen in dem sich Investitionen und Forschungsprojekte weiter lohnen werden. Die Energieziele können nur gemeinsam mit den Bürgern umgesetzt werden wie Natascha Kohnen betont. Die Entwicklung von neuen Technologien und der Bau von Speicherkraftwerken erfordern hohe Ingenieurleistungen auf die sich Industrie und Hochschulen einstellen müssen. Neue Berufsbilder werden entstehen und Ausbildungswege müssen neu definiert werden.

Ein herzliches Dankeschön geht an die Leiterin der verdi-Bildungsstätte in Brannenburg Frau Marion Fendt sowie an ihr Team, ohne deren Unterstützung diese Seminartage nicht hätten durchgeführt werden können.

Seminarleitung/Teamer:
Peter Soellner