Leserbrief

Sehr geehrte Redaktion,

das Problem "Platikmüll", besonders  im Meer, ist ein immer weiter in das öffentliche Bewusstsein drängendes Problem, dem unbedingt abgeholfen werden muss! In Veranstaltungen, Seminaren, bei Umweltverbänden und in der Politik ist das Thema angekommen.

Aber, obwohl jährlich weiter unglaubliche Massen an Plastik weltweit produziert und in Umlauf gebracht werden (Wissenschaftler schätzen die bisher aufgelaufene Summe auf ca. 100 Mio Tonnen, wovon nur etwa 15% auf der Meeresoberfläche sind, denn alles andere ist zu Mikroplastik zerfallen oder in die Tiefen der Meere abgesunken), gibt es außer den wichtigen und dennoch "rührend anmutenden" Müll-Sammel- und Abfischaktivitäten keinen Hinweis auf Verzicht des Einsatzes von Plastik. Das betrifft sowohl die produzierende Wirtschaft als auch uns Verbraucher. Muss es denn z. B. sein, dass Nahrungsmittel in Plastik mehrfach umhüllt werden, dass Körperpflegeartikel aus Werbegründen "schick verpackt" werden? Denken denn viele Verbraucher darüber nach, was es heißt, Plastik einfach in die Umwelt zu werfen? Und das fängt schon beim Zigarettenfilter an!

Kein Wisenschaftler kann heute sagen, was der Zerfall von Plastikmüll im Meer zufolge hat, doch alles deutet daruf hin, dass sowohl die Weichmacher große Probleme im hormonellen Haushalt der Meerestiere haben als auch die Mikroplastik-Teile, die schon in die Nahrungskette gelangt sind und die wir mit dem Fisch verzehren. (Selbst im Fleur de Sel ist Mikroplastik nachgewiesen worden!)

Wenn wir als Verantwortliche der früheren und jetzigen Generation unseren Nachfahren eine lebenswerte Umwelt hinterlassen wollen, muss mehr geschehen als in Straßburg vorgestellt wurde! Wir haben seit ca. 60 Jahren das "Plastik-Zeitalter", und wenn die EU bis 2030 etwas "radikal durch Plastik-Ersatz und Wiederverwertung" ändern will, müssen alle verpflichtet werden, mitzumachen - und das weltweit!

Uwe Bohm