Leitzachwerke modernstes Pumpspeicherkraftwerk Europas

Die Personengruppe der MeisterInnen, Tech­nikerInnen und IngenieurInnen (mti) in ver.di hat unter anderem die Aufgabe, Kolleginnen und Kollegen zu aktuellen technologischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen, technischen Abläufen, Umwelt- und Arbeitssicherheits­standards zu informieren und zu beraten. Dies erfolgt durch Exkursionen, Veranstaltungen oder Seminare. Im Rahmen dieses Aufgaben­spektrums und im Zusammenhang mit unserem Thema: „Umsetzung der Energie­wende“ organisiert der Arbeitskreis Techno­logie & Umwelt der Personengruppe mti im LBz. Bayern heuer einen Besuch der Leitzachwerke.

 

Die Leitzachwerke zählen zu den modernsten Pumpspeicherkraftwerken Europas und werden von den Stadtwerken München betrieben. Sie dienen zur Erzeugung und Speicherung von elektrischer Energie.

Die Anlage liegt 40 km südöstlich von München in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham. Das Kraftwerk nutzt dabei zur Energie Erzeugung das Wasser des 128 m höhergelegenen See­hamer See. Er hat ein Volumen von 6.000.000 m³, von denen 2.000.000 m³ für den Kraft­werks­­betrieb entnommen werden dürfen.

Nach dem Aufstauen des Seehamer Sees mittels zweier Dämme und der Fertigstellung des 6,7 Kilometer langen Zuleitungsstollens von der Leitzach begann im Jahr 1913 die Stromerzeugung mit 16 Megawatt. In den Jahren 1919 und 1929 wurde die Leistung auf insgesamt 24 MW gesteigert. Später wurde das ursprüngliche Kraftwerk durch das heutige ersetzt. Das zwischen 1958 und 1960 errichtete Kraftwerk nutzt ebenfalls den Höhen­unterschied zwischen dem Seehamer See und dem Unterwasserbecken mit 800.000 Kubikmeter Stauinhalt zur Stromerzeugung und Speicherung. Die beiden Turbinen haben zusammen eine Leistung von 49 MW, die Pumpen benötigen eine Leistung von 45,4 MW. Dieses Werk wird über eine Druckleitung mit vier Metern Durchmesser versorgt. Die neuen Unterwasserbecken haben eine Grundfläche von etwa 0,5 km² und sind in der Lage die Pendelwassermenge von zwei Millionen Kubikmetern aufzunehmen.

Die Seen dienen auch dazu, das überschüssige Wasser über den Tag verteilt wieder in die Mangfall abzuführen. Um die einige Meter Höhenunterschied zwischen Speicherseen und Flusslauf energetisch zu nutzen, wurde zwischen 1963 und 1965 das Werk 3 gebaut, das mit zwei Kaplan-Rohrturbinen eine vom Wasserstand der Seen abhängige Leistung zwischen 0,1 MW und 0,38 MW erreicht.

Das Kraftwerk wurde mit einer komplett neuen Leittechnik zur Fernsteuerung bestückt. Die Energiemeister vom Heizkraftwerk (HKW) Süd beziehungsweise Heizkraftwerk Nord der Stadtwerke München setzen die Anlage gezielt nach Bedarf im Stromnetz ein. Dieses Werk kann bei einem Stromausfall im gesamtenNetz als Schwarzstartanlage benützt werden. Eine Schwarzstartanlage nimmt den Betrieb nach einem Blackout schnellstmöglich wieder auf. Schwarzstartfähige Anlagen können neu anfahren, bevor der Normalbetrieb des Stromnetzes wiederhergestellt ist. Das verkürzt die Ausfallzeit beträchtlich. Sicherheitsprobleme, Schadensersatzansprüche und Einnahmeverluste werden minimiert.

Bei der interessanten Führung durch das Kraftwerk erklärte ein sehr kompetenter Anlageningenieur der Stadtwerke München die Technologie, Funktionsweise und viele Details der Anlage. Wir waren überrascht, welche Vielfalt an Betriebsmöglichkeiten dieses Werk bietet. Statt der vorgesehenen zwei Stunden waren wir zirka drei Stunden mit der Besichtigung beschäftigt.

mti - LBz. Bayern: Wolfgang Pertramer