Verwirrung bei Ingenieurstudenten

von Wolfgang Pertramer

Jeder vierte Ingenieurstudent weiß nicht genau was er studiert oder dass er Ingenieur wird – die 3295 unterschiedlichen Ingenieurstudiengänge sorgen für Verwirrung bei den Akademikern. Siehe auch den Artikel des Stern-Magazins zur aktuellen „Studie des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und des VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.“ - siehe Anlage.

Warum ist das so?

  1. Die Hochschulen und Universitäten bieten aus Konkurrenzgründen die Inhalte der früheren Dipl. Studiengänge vermischt mit anderen, fremden oder sogar Rand-Themen in bunter Mischung an. Hauptsache man unterscheidet sich von anderen Anbietern. Man erklärt das in Reklameschriften großspurig mit „auf die Praxis zugeschnitten oder einer Internationalisierung der Studieninhalte“.

  1. Da aber die Studienzeiten in etwa vorgegeben sind, reduziert sich die Zeit in der berufsbefähigenden und berufsbestimmenden Studieninhalte gelehrt werden können. Das ist aus Sicht der Studierenden eigentlich der falsche Weg und führt zu einer Reduzierung der für die Ausübung des Berufs notwendigen Ingenieur- Kompetenzen und erschwert damit die langfristige Beschäftigungs­fähigkeit der Absolventen.

  1. Ursprünglich war Reform von der Politik ganz anders gedacht. Die Bologna-Reform sah vor: „kürzere Studienzeiten, weniger Studienabbrecher, mehr Praxis- und Kompetenzorientierung und wenn möglich einige Auslandssemester (die Ziele vor 15 Jahren)“.

  1. Auch die Wirtschaft hatte die Bologna-Reform massiv gefordert und auch teilweise unterstützt. Doch heute muss der Arbeitgeberverband einräumen, dass bei weitem noch nicht alle gewünschten Ziele erreicht seien. Es gäbe nicht ausreichend berufliche Kompetenzen, zu wenig Praxisbezug und zu viele Studienabbrecher. Deshalb haben gerade Bachelor-Absolventen Schwierigkeiten einen angemessenen Arbeitsplatz zu bekommen.

  1. Das Grundübel der Reform ist, dass die Qualitätssicherung und Aktualisierung der Studiengängen und der Studieninhalte (Curricula) nicht mehr wie früher durch staatliche Organe (Kultusministerien) sondern durch die Universitäten und Hochschulen je nach Gutdünken selber festgelegt werden.

  1. Diese müssen zwar ihre geplanten Studiengänge zwecks Durchführbarkeit von Akkreditierungsagenturen akkreditieren und reakkreditieren lassen. Aber die Akkreditierungsagenturen sind private Organisationen, die von ihrer Tätigkeit leben - da ist die Anerkennung eines Studienganges eher Formsache. Es wurde uns bis heute keine Ablehnung eines Studiengangs bekannt.

  1. Im bayerischen mti – Arbeitskreis: „Bildung, Ausbildung & Studium“ wurde das schon seit Einführen der Bologna-Reform beklagt.