Schwerpunktthema Bundes AIN 11.05.12

DQR und ERA

Der Bundes AIN Vorstand beschäftigte sich in seiner Sitzung am 11./12.05.12 mit dem Thema der Eingruppierung von Ingenieuren, Dipl. Ing FH und TU, Bachelor, Master, Dr.Ing im  Bezug des ERA Bayern, ERA BW und TV ÖD zum neuen DQR

DQR:
Entsprechend dem DQR ist die Stufe 6 vorgesehen für Absolventen eines Bachelor Studienganges, für Meister und Techniker. Die Stufe 7 ist vorgesehen für Absolventen eines Masterstudienganges und die Stufe 8 ist für den Dr. vorgesehen.

Der AIN untersucht, inwieweit die Einstufung im DQR Einfluss auf die Entgeltstrukturen und Einstiegentgelte nimmt und erläutert hierzu die entsprechende Passagen der jeweiligen Tarifverträgen.

 

ERA Baden - Württemberg:
Im ERA BW sind 17 Entgeltstufen abgebildet. Die Eingruppierung zu einer bestimmten Stufen erfolgt durch das Stufenwertzahlverfahren (Analytik). Dazu wurde ein umfangreicher Katalog mit entsprechenden Beispielen vereinbart.

Grundmerkmal des ERA ist die Beschreibung der Tätigkeit mit den Ausprägungen

1. Wissen und Können
2. Denken
3. Handlungsspielraum, Verantwortung
4. Kommunikation
5. Und ggf. Mitarbeiterführung

Die Berufsausbildung und Berufserfahrung findet sich explizit im Part 1 Wissen und Können wieder:
B3: Abgeschlossene Berufsausbildung i.S. des BBiG und eine darauf aufbauende abgeschlossene, i.d.R. einjährige Vollzeit-Fachausbildung  (z. B. Meister-Ausbildung IHK) Ergibt 16 Pkt
B4: Abgeschlossene Berufsausbildung i.S. des BBiG und eine darauf aufbauende abgeschlossene, i.d.R. zweijährige Vollzeit-Fachausbildung (z. B. staatlich geprüfter Techniker)  Ergibt 19 Pkt
B5: Abgeschlossenes Fachhochschulstudium  Ergibt 24 Pkt
B6: Abgeschlossenes Universitätsstudium  Ergibt 29 Pkt




Analyse:
Es wird dabei immer das erforderliche Niveau der entsprechenden Ausbildung oder Studium, die für die entsprechende Tätigkeit erforderlich ist beschrieben, nicht ob jemand die entsprechende Qualifikation hat. Damit ist eine Durchlässigkeit gewährleistet. Grundsätzlich lässt sich daher von der Berufsausbildung kein unmittelbarer Rückschluss auf die richtige Eingruppierung nehmen.

Allerdings wird davon ausgegangen, das man mit einer entsprechend höheren Qualifikation auch eine Tätigkeit annimmt, die in den anderen Merkmalen entsprechend höher bewertet ist. Weiter ist festzuhalten, das die neuen Studiengänge Bachelor und Master noch nicht gemäß ERA beschrieben worden sind. Dies ist um so mehr verwunderlich, als das die Arbeitgeber mit ihrer Kampagne „Bachelor welcome“ kräftig Werbung gemacht haben. Hier besteht Nachholbedarf.

Auch wenn Meister und Techniker in der gleichen DQR Stufe wie Bachelor Absolventen sind, so unterscheiden sich doch die typischen Tätigkeiten und Einstufungen. Meister und Techniker werden vielfach auf Sachbearbeiter Stellen gesetzt, die gemäß ERA bis zur Entgeltgruppe 11 bewertet sind. Oder sie sind betriebliche Vorgesetzte (Fertigungsgruppenleiter), ebenfalls bis zu ERA 11. Andererseits gibt es auch Meisterstellen (Technikumsleiter, Fertigungsabschnittsleiter), die bis zu ERA 15 beschrieben sind.

In den vielen Betrieben werden Bachelor Absolventen wie die früheren Dipl. Ing. (FH) in der ERA Stufe 12 eingestellt (z.B. als Planer, Entwickler, Konstrukteur), allerdings mit einem niedrigeren Entgelt als. Dies wird über die s.g. Leistungszulage gesteuert. Die Arbeitgeber bringen damit zum Ausdruck, das ein Bachelor Abschluss offensichtlich nicht mehr ganz so viel wert ist, wie der alte Abschluss Dipl. Ing (FH). Interessanterweise werden Master Absolventen ebenfalls in der ERA Stufe 12 eingestellt, jedoch mit einem Leistungsentgelt, das auf dem Niveau des früheren Dipl. Ing. (TU) liegt. Ingenieure mit Promotion steigen mit der ERA Stufe 13 oder 14 ein, heben sich also deutlich ab.

 

ERA Bayern:
Im ERA BY sind 12 Entgeltstufen abgebildet. Die Eingruppierung zu einer bestimmten Stufen erfolgt durch die ganzheitliche Betrachtung der Tätigkeit (Summarik). Auch hierzu wurde ein umfangreicher Katalog mit entsprechenden Beispielen vereinbart.

Entgeltgruppe 7
Die Arbeitsaufgabe erfordert Kenntnisse und Fertigkeiten, wie sie in der Regel durch eine einschlägige mindestens dreijährige abgeschlossene Berufsausbildung und erweiterte fachspezifische Zusatzqualifikation erworben werden.
Die erforderliche Zusatzqualifikation kann auch durch eine mehrjährige, das heißt mindestens dreijährige fachspezifische Erfahrung erreicht werden.
Gleichgestellt werden Kenntnisse und Fertigkeiten, wie sie in der Regel  durch eine qualifizierte Weiterbildung zum Meister oder Fachwirt erworben werden.
Die insgesamt erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten können auch auf eine andere Weise erworben werden.

Entgeltgruppe 8
Die Arbeitsaufgabe erfordert Kenntnisse und Fertigkeiten, wie sie in der Regel durch eine einschlägige mindestens dreijährige abgeschlossene Berufsausbildung und umfangreiche fachspezifische Zusatzqualifikation erworben werden.
Gleichgestellt werden Kenntnisse und Fertigkeiten, wie sie in der Regel  durch eine qualifizierte Weiterbildung (zum Beispiel Techniker, Betriebswirt) erworben werden. Dazu gehören auch Meister oder Fachwirte mit zusätzlichen Aufgaben wie zum Beispiel Führungsaufgaben und fachlicher Verantwortung für unterstellte Mitarbeiter.
Die insgesamt erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten können auch auf eine andere Weise erworben werden.

Entgeltgruppe 9
Es handelt sich um eine Arbeitsaufgabe, die Entscheidungs- und Dispositionsspielraum im Rahmen der Aufgabenstellung voraussetzt.
Die Arbeitsaufgabe erfordert Kenntnisse und Fertigkeiten, wie sie in der Regel durch eine einschlägige mindestens dreijährige abgeschlossene Berufsausbildung und eine über die der Entgeltgruppe 8 hinausgehende fachspezifische Zusatzqualifikation erworben werden.
Gleichgestellt werden Kenntnisse und Fertigkeiten, wie sie in der Regel  durch eine qualifizierte Weiterbildung und darauf  bezogene fachspezifische Zusatzqualifikation oder durch eine bis zu vierjährige Regelstudiendauer mit Abschluss erworben werden.
Die insgesamt erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten können auch auf eine andere Weise erworben werden.

Entgeltgruppe 10
Die Arbeitsaufgabe erfordert Kenntnisse und Fertigkeiten, wie sie in der Regel durch eine einschlägige mindestens dreijährige abgeschlossene Berufsausbildung und besonders umfangreiche fachspezifische  Zusatzqualifikation erworben werden.
Gleichgestellt werden Kenntnisse und Fertigkeiten, wie sie in der Regel  durch eine qualifizierte Weiterbildung und darauf bezogene erweiterte fachspezifische Zusatzqualifikation erworben werden.
Gleichgestellt werden Kenntnisse und Fertigkeiten, wie sie in der Regel  durch eine bis zu vierjährige Regelstudiendauer mit Abschluss und darauf bezogene fachspezifische Zusatzqualifikation oder durch eine mehr als vierjährige Regelstudiendauer mit Abschluss erworben werden.
Die insgesamt erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten können auch auf eine andere Weise erworben werden.

 

Analyse:
Auch hier lässt sich auf Grund der beruflichen Qualifikation heraus kein unmittelbarer Anspruch auf die Eingruppierung ableiten. Jedoch sind in den Beschreibungen die berufliche Qualifikation stärker ausgeprägt. Die Entgeltgruppe nimmt dabei Bezug auf die Dauer der Regelstudiengänge. So war der Regelstudiengang des Dipl. Ing (FH) bisher 8 Semester, somit Entgeltgruppe 9. Dies wird auch für die neuen Bachelorstudiengänge zutreffen, die sich zwischen 6 und 8 Semester bewegen. Über 4 Jahre Regelstudiendauer hatte das bisherige Universitätsstudium (Dipl. Ing TU) und werden auch die Master Studiengänge haben.

TV ÖD:
Wird nachgereicht.

Schlussbetrachtung:
Der DQR stellt berufliche Kompetenz und durch Studium erworbene Kompetenz auf eine Stufe, was sich an der DQR Stufe 6 für Meister/ Techniker und Bachelorstudiengänge zeigt. In den Tarifverträgen werden jedoch noch deutliche Unterschiede in den Kompetenzen gemacht, zudem sind noch alte Studiengänge beschrieben.

Forderung:
Im Hinblick auf den DQR sind die Tarifverträge zu überarbeiten. Der AIN verwahrt sich jedoch gegen eine Abstufung von der Einstufung der Ingenieurausbildung und fordert eine Gleichstellung der Bachelorstudiengänge mit dem alten Dipl. Ing. (FH). Als Kompromiss kann bei der Ersteinstufung die berufliche Praxis  (2 Semester, wie alten Dipl. Ing. (FH)) berücksichtigt werden. Dazu soll auch die internationale Berufsbezeichnung für Ingenieure berücksichtigt werden: Bachelor of Engineering, Master of Engineering und Master of Sience