Aufbruch in die Welt der Industrie 4.0

Bei der diesjährigen 70. Hannover Messe stand das Thema Industrie 4.0 ganz im Vordergrund. Das diesjährige Partnerland war die USA, was der derzeitigen kontroversen Diskussion um TTIP eine besondere Note verlieh und zu einer Großdemonstration gegen TTIP genutzt wurde. Insgesamt haben nach Messeangaben 192.000 Besucher, davon jeder Dritte aus dem Ausland, die Messe besucht. Dies bedeutete eine Steigerung um 10% und zeigt die große internationale Bedeutung der Messe. Auf der Messe konnte man deutlich feststellen, dass die digitale, vernetzte Produktion in den Unternehmensalltag Einzug nimmt. Eine Vielzahl an konkreten Beispielen hat dies eindrucksvoll dargestellt und bei den Ausstellern verspürte man eine regelrechte Aufbruchstimmung. Haupttreiber der Digitalisierung sind die Verbände ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik und Elektroindustrie), sowie der VDMA (Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenhersteller), die in vielen Foren die Beispiele erläuterten.

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Hinweis zur betrieblichen Direktversicherung

So wie ich werden viele Kolleg/innen zur Ergänzung der Altersvorsorge eine s.g. betriebliche Direktversicherung abgeschlossen haben. Sie war damals mit einer pauschalen Besteuerung, die deutlich unter der Spitzensteuersatz lag staatlich gefördert und sozialabgabenfrei. Kolleg/innen, die als freiwillig Pflichtversicherte über der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze verdient haben, hatten nur den steuerlichen Vorteil.

Durch das Gesundheitsmodernisierungsgesetz wurde 2004 (nachdenken, wer damals regierte) beschlossen, dass die Kapitalleistung nachträglich beitragspflichtig zur Kranken- und Pflegeversicherung ist. Eine Vertrauensschutzregelung gab es nicht.

Beispiel: Auszahl der Kapitalleistung (eigene Sparleistung + Erträge) in Höhe von 60.000 € ergibt bezogen auf 10 Jahre eine monatliche Berechnungsgrundlage von 500 €. Damit fallen ca. 88 €/ Monat an Beiträgen an, in 10 Jahren also weit über 10.000 €. Glück hat derjenige, der seine Direktversicherung bereits mit 60 Jahre hat sich auszahlen lassen, über der Beitragsbemessungsgrenze verdient und noch bis 67 arbeitet. Er muss dann nur noch für die 3 Rentenjahre (bis zum 70. Lebensjahr) Versicherungsbeiträge leisten. Für alles Anderen war es im Nachhinein ein Verlustgeschäft. Für die private Versicherungsindustrie natürlich nicht, diese Rendite ist längst eingefahren.

Hier hat der Gesetzgeber erst Kolleg/innen mit Anreizen in eine Vorsorgeform gelockt um sie dann nachträglich zu schröpfen. Was soll ich nun meinen Kindern z.B. bzgl. staatlich bezuschusster Riesterverträge sagen? Dass auf den Gesetzgeber kein Verlass ist? Auch jetzt fordern Politiker verstärkt Betriebsrenten und private Vorsorge, doch was passiert damit dann mal?

Entsprechende Klagen bei Sozialgerichten wurden abgeschmettert, Peditionen abgelehnt - warum wohl?

ubar

Industrie 4.0

Wie Maschinen in der Cloud sprechen lernen

so lautete der Titel der Betriebsrätekonferenz vom 18.03. bis 20.03.15 in der ver.di Bildungsstätte Walsrode für die FG Industrie.

Ulrich Bareiß führte am ersten Tag die Teilnehmer in die Welt von Industrie 4.0 ein und erläuterte die Entwicklungsschritte der industriellen Evolution. Durch die Vernetzung von Prozessen und Daten stellten die Teilnehmer sehr schnell fest, dass Industrie 4.0 ein Teilaspekt in der Datenwelt darstellt. Und wenn man von Daten spricht, spricht man sehr schnell von der Cloud, von Datensicherheit und Arbeitnehmerdatenschutz. Dies war dann das Thema der zwei folgenden Tage, die Volker Buddenberg, Fachanwalt für Arbeitsrecht, gestaltete.

Volker Buddenberg stellte den Teilnehmer die verschiedenen Cloud Modelle vor. So ist bei der home – cloud der Speicher z.B. am Dachboden und über w-lan mit Rechner, Telefon, TV, Fax, etc. vernetzt. Bei der Apple- cloud sind diese Daten ausgelagert, dafür auch überall verfügbar. Für die kommerzielle Nutzung werden dann folgende Servicemodelle angeboten: SaaS (Software as a service). Hier stellt z.B. ein Anbieter die lfd. Programmupdates zur Verfügung, der Server und Infrastruktur befindet sich noch im Haus. Bei PaaS (Plattform as a Service) geht man schon einen Schritt weiter und der Anbieter betreut auch die Endgeräte. Bei IaaS kommt alles von außen und man hat keinen eigenen Server mehr. Je nach dem gewählten Schritt ist die Abhängigkeit grösser, man kann nichts mehr selbst machen und ist anfällig für Werkverträge, Lohndumping und illegaler Beschäftigung. Und es stellt sich die Frage, wenn der Server in der cloud ist, wer was was über welche Daten.

Volker Buddenberg beleuchtete dann die juristische Seite. Das Strafrecht kennt das Urheberrecht, das Briefgeheimnis (e-mail), Telefonaufzeichnung (nur bei freiwilliger Zustimmung bzw. richterlichem Beschluss) und das Bundesdatenschutzgesetz. Hier haftet der Arbeitgeber auch, wenn die IT ausgesourced ist. Das speichern personenbezogener Daten ist außerhalb des europäischen Wirtschaftsraum verboten. Und der Betriebsrat hat das Recht nachzusehen, wo personenbezogene Daten gespeichert sind.

Weiter bietet das BetrVG die Rechte des BR wahrzunehmen. So unterliegen einfache Dinge, wie Einführung neuer Kopierer oder Telefonanlage der Mitbestimmung (§87.6). Der § 75.2 sichert die freie Entfaltung der Persönlichkeit und der § 80 die Informationspflicht des Arbeitgebers.

Volker Buddenberg gab den Hinweis, bei der Einführung neuer Arbeitssysteme sehr behutsam vorzugehen und Testphasen mit Rückfall-lösungen zu vereinbaren sind. Bei Daten sind Speicherzeiten zu vereinbaren. Selbstverständlich dürfen bei der Einführung neuer Systeme oder Betriebsvereinbarungen keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen für die Beschäftigten entstehen, im Zweifel wird hier geraten sich externen Sachverstand hinzuzuziehen.

Zum Schluss sprach Volker Buddenberg noch die Haftungsfrage, die von leichter Fahrlässigkeit bis zum Vorsatz reicht und sich zwischen internen Fällen (unter Kollegen) und externe Schäden (Werksvertragspartner) unterscheidet. Auch in der digitalen Welt ist auch das Arbeitnehmererfindungsgesetz zu bei croudsourcing, crowdfunding und Werkverträgen.

Die Teilnehmer stellten fest, dass die serverbasierte IT (auch Green IT genannt), in fast allen Bereichen – auch im öffentlichen Dienst mit vielen personenbezogenen Daten- genutzt wird. Daher will die BFG, gemeinsam mit der Personengruppe mti, weiter entsprechend informieren und weitere Informationen und Veranstaltungen anbieten.

ubar

 

Industrie 4.0

Das Schlagwort der Stunde – dazu eine kleine Einführung

Die Fachgruppe Industrie und der AIN haben das Thema Industrie 4.0 auf ihre Agenda genommen und wollen sich in den nächsten Ausgaben des Industriereports und auf der im März nächsten Jahres stattfindenden Betriebsrätetagung damit befassen.

Doch zunächst einmal, was versteht man unter Industrie 4.0? Dazu blicken wir auf die Vergangenheit zurück.

Ende des 18. JH mit Nutzung der Wasserkraft und der Dampfmaschine wurden die ersten mechanischen Produktionsanlagen eingeführt. Sie ersetzten z.B. die handbetriebenen Webstühle und die Verstädterung begann. Dies bezeichnete man als Industrie der 1. Generation, also Industrie 1.0.

Die nächste Stufe, Industrie 2.0, hatte seinen Beginn Anfang des 20. JH mit Nutzung der Elektrizität, der Einführung des Fließbandes und Arbeitsteilung, sowie der Massenproduktion von Gütern. Werkzeugmaschinen waren zumeist mechanisch angetrieben, hatten Kurvensteuerungen und hydraulische Vorschubachsen.

Mit Beginn der 70er Jahre wurden Roboter, NC und CNC Steuerungen, speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS), Computer, IT Systeme und die weitere Automatisierung in der Fertigung eingeführt. Dies bezeichnet man als Industrie 3.0 und prägt heute noch die Arbeitswelt. Die meisten der Syteme sind für sich autark und für den Anwendungsfall ausgelegt. Weiter wurde die Produktion mit Lean Produktion, Just in Time Anlieferung, CIM, Toyota System, mannarmen Fertigungssystemen, um nur einige Schlagworte zu nennen, optimiert. All die Kollegen/innen, die in den 60er Jahren ihre Ausbildung gemacht haben und heute noch im Erwerbsleben stehen, haben diese Entwicklung begleitet.

Wir haben heute also viele dezentrale Syteme, eine klare hierarchische Steuerung und wir haben automatisierte Teilprozesse. Künftig sollen diese Teilprozesse vernetzt werden, diese Durchgängigkeit und Selbststeuerung bezeichnet man als CPS Cyber Physische Syteme oder Industrie 4.0. CPS sind Systeme mit eingebetteter Software, die dazu noch über Sensoren und Aktoren verfügen, Daten erfassen und auswerten. Dazu kommen weltweit verfügbare Daten (in der Cloud) und die Vernetzung im Internet.

Hier stehen wir am Anfang einer Entwicklung, die wir nicht aufhalten können aber mit unserem Fachwissen mitgestalten können. Deshalb werden wir uns auch in den nächsten Ausgaben des Industriereports diesem Bereich widmen und dazu berichten. Wir wollen aufzeigen, was andere Industrienationen machen, wir wollen betriebliche Beispiele darstellen, wir wollen kritische Fragen stellen und wir wollen zu Handlungsmöglichkeiten für Betriebsräte informieren.

ubar