28.10.2013 19:48 Uhr | Donaukurier

Manching/München (DK) In der Belegschaft der EADS-Rüstungssparte Cassidian wächst die Verunsicherung. Konzernchef Thomas Enders hat „harte Maßnahmen“ im Zuge der geplanten Neuausrichtung angekündigt. Die IG Metall will weitere Stellenverluste aber nicht widerstandslos hinnehmen.

Das europäische Kampfflugzeug Eurofighter bringt der EADS-Rüstungsfirma Cassidian noch satte Profite ein. Zurzeit wird es in Südkorea gezeigt, denn dort winkt ein Großauftrag. Sollte er zustande kommen, käme das dem Werk in Manching gelegen. Denn mit dem Konzernumbau ist laut EADS-Chef Thomas Enders (rechts) ein weiterer Stellenabbau geplant - Fotos: Jung Yeon-Je, West (AFP) Der Chef des europäischen Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzerns EADS hat die Beschäftigen im Verteidigungs- und Raumfahrtbereich auf „weitere Kosten- und Personalreduzierungen“ vorbereitet. Zwar würden die Pläne zur Zusammenführung von Airbus Military, Astrium und Cassidian zur neuen Division Airbus Defence & Space Anfang 2014 noch erarbeitet, doch so viel stehe jetzt schon fest: „Ohne harte Maßnahmen wird es nicht gehen“, sagte Thomas Enders in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ).
Zwar versicherte der EADS-Chef, am Rüstungsgeschäft festhalten, „deren Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit aber erheblich steigern“ zu wollen. Allerdings seien in Europa die Aussichten für Rüstungs- und Raumfahrtgeschäfte „nicht gerade berauschend“. Obwohl Cassidian bereits die profitabelste EADS-Sparte ist, soll die Ertragskraft weiter steigen. „An der Zehn-Prozent-Marke kratzen auch die noch nicht“, sagte Enders.
Obwohl konkrete Angaben über den Umbau des EADS-Verteidigungsgeschäfts und die Strategie der künftigen Sparte Airbus Defence & Space erst Anfang bis Mitte Dezember erwartet werden, gebe es „jetzt große Verunsicherung in der Belegschaft“, sagte Thomas Pretzl, Gesamtbetriebsratschef bei Cassidian, gestern in Manching gegenüber unserer Zeitung. An dem größten Standort der EADS-Rüstungssparte läuft derzeit bereits das zweite Programm zum Personalabbau. Von den rund 4500 Stellen in Manching sollen bis 2014 etwa 220 Arbeitsplätze fortfallen.
Nun stelle sich für die verbleibenden Mitarbeiter „die große Frage, was da noch auf uns zukommt“, sagte Pretzl. Mehr weiß auch er zurzeit nicht, weil die künftige Strategie der neuen Division derzeit noch von Cassidian-Chef Bernhard Gerwert und seinem Management erarbeitet wird. Die Information des europäischen EADS-Gesamtbetriebsrates sei für Anfang bis Mitte Dezember vorgesehen, danach erführen auch die Beschäftigten, wie es in Zukunft mit den einzelnen Standorten weitergehen soll.
„Sehr überrascht“ zeigte sich der zuständige IG-Metall-Beauftragte für Cassidian, Bernhard Stiedl, über Enders Aussagen. Jedenfalls rechtfertigten die derzeitige Situation und Auslastung bei der EADS-Rüstungstochter „keine Reduzierungen bei Kosten und Personal“, erklärte der Gewerkschafter gestern in Ingolstadt. Erst mit dem Ende des Eurofighter-Programms 2016/17 habe Cassidian einen Personalüberhang, so Stiedl weiter. Bis dahin sollte sich das Management „gemeinsam mit der IG Metall Gedanken machen, wie neue Aufträge gewonnen werden können, um einen Personalabbau zu verhindern, als jetzt auf Kosten der Belegschaft Einsparungen umsetzen zu wollen“. Gegen weitere Belastungen für die Beschäftigten werde sich die Gewerkschaft jedenfalls „mit allen Möglichkeiten wehren“.
Bei Cassidian selbst gibt es zurzeit auch noch nichts Konkretes zum Thema Unternehmensumbau. „Es ist alles im Fluss“, sagte Firmensprecher Florian Taitsch. Er gab aber zu bedenken, dass der Standort Manching zum „ureigensten Kerngeschäft“ der Rüstungssparte gehöre und das passende Produktportfolio habe.
Hinsichtlich des Eurofighters setzt das Unternehmen derzeit große Hoffnungen auf Südkorea. Dort steht die Einführung eines neuen Kampfflugzeugs an. Das Bieterverfahren wurde gerade erst neu aufgelegt. Unklar ist laut Taitsch, ob alle Interessenten daran wieder teilnehmen können oder nur Cassidian mit dem Eurofighter und Lockheed Martin mit der F 35 berücksichtigt werden. Taitsch sieht jedenfalls Vorteile für das europäische Kampfflugzeug. Denn der Eurofighter fliege bereits, das F 35-System steht nach seinen Worten aber erst frühestens 2020 zur Verfügung.
Von Carsten Rost
 
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