Tarifabschluss in der Metall – und Elektroindustrie 2018

In der Nacht vom 5. Auf 6.1.18 wurde in der 6. Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg ein Tarifabschluss erzielt. Vorausgegangen waren 2 Warnstreikrunden, sowie ein 24 Std Streik an dem allein in Bayern über 118.000 Beschäftigte teilgenommen haben. Gelobt wurde von der IGM die große Geschlossenheit bei den Aktionen, bei denen auch ver.di Mitglieder teilnahmen.

Der Tarifvertrag hat nun eine Laufzeit von 27 Monaten, also vom 1.1.18 bis 31.03.2020. Besonders positiv ist die tabellenwirksame Entgelterhöhung von 4,3% zu sehen, die ab 1.4.18 in Kraft tritt. Für die Monate Jan – März gibt es eine Einmalzahlung von 100 €.

Weiter ist ab 1.1.19 der Einstieg in eine flexible Arbeitszeit gelungen. Hier gibt es viele Rahmenbedingen zu betrachten, die näher zu erläutern sind. Im Kern ist es so zu sehen, dass ein neuer Entgeltbestandteil in Höhe von 27,5% eines Monatsentgeltes eingeführt wurde sowie ein tarifdynamischer Festbetrag von 400 €, beides kommt im Juli eines Jahres zur Auszahlung. Wahlweise können die 27,5% in zusätzliche 6 freie Tage gewandelt werden. 8 freie Tage für die 27,5% gibt es für besondere belastete Personengruppen, also für Schichtler, zur Kindererziehung und zur Pflege. Und weiter haben alle Beschäftigten die Möglichkeit für 2 Jahre ihre Arbeitszeit auf 28 Std zu reduzieren. Im Gegenzug können dann mehr Beschäftigte 40 Std arbeiten. Hier wurden die Quoten neu geregelt (Quotenbetrachtung) oder es wird der Durchschnitt der Arbeitszeit betrachtet (Volumenbetrachtung)

Dazu gibt es allerdings eine Einschränkung, nämlich eine umfassende Beschreibung der Zugangsberechtigung. Dies ist dabei zu beachten und betrieblich umzusetzen.

Der Tarifabschluss enthält noch ein Paket weitere Regelungen. So wurde der gekündigte MTV mit kleinen Änderungen wieder eingesetzt, es gibt Regelungen zum mobilen Arbeiten, die Azubi erhalten 2x1 Vorbereitungstag vor der Prüfung frei, es gibt einen TV zu Langzeitkonten und flexibler Arbeitszeit und der TV ATZ wurde verlängert.

Wenn all dies betrachtet wird, gibt es für den Tarifabschluss nur Gewinner. Die Gewerkschaft und Arbeitnehmer, weil sie einen Reallohnzuwachs und den Einstieg in eine lebensphasenorientierte Arbeitszeit erreichen konnten. Die Arbeitgeber, weil die lange Laufzeit Planungssicherheit bedeutet und das Paket der weiteren Regelungen mehr Flexibilität erlaubt.

Ulrich Bareiß
Mitglied der TK Bayern