Telearbeit, auch als „home office“ oder „home based“-Arbeit bezeichnet

Zum Grünbuch 4.0 des BMAS von April 2015 und weiteren, die Wirtschaft 4.0 betreffenden Beschreibungen hat ver.di Stellung bezogen und weist u. a. auch auf Telearbeit als eine der zukünftig stärker in den Fokus geratenden Beschäftigungsarten hin.

Dem privaten Wunsch, Telearbeit von zuhause aus zu leisten, sollten reifliche Überlegungen zugrunde liegen, denn unbezahlte Mehrarbeit und mehr Stress durch die Vermischung von privaten und dienstlichen Aufgaben können sich später als nachteilig herausstellen.

 Mithilfe der folgenden Checkliste kann man prüfen, ob Telearbeit vorteilhaft ist

  • Haben Sie den Wunsch (z. B. aus familiären Gründen), Telearbeit zu leisten oder ist es der Wunsch bzw. die Forderung Ihres Arbeitgebers?
  • Wenn Ihr Arbeitgeber von Ihnen Telearbeit verlangt, können Sie dann ohne Nachteile ablehnen?
  • Ist Telearbeit in Ihrem Arbeitsvertrag vorgesehen oder als Option erwähnt oder können Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine schriftliche Vereinbarung über die Modalitäten treffen?
  • Sie sollten Scheinselbständigkeit und „Telearbeit per Laptop von der Bettkante aus“ ablehnen.
  • Haben Sie in Ihrer Wohnung einen für die Telearbeit geeigneten Raum zur Verfügung? (Tageslicht, Lüftung, Temperatur und Störungsfreiheit durch Lärm müssen gesichert sein).
  • Stellt Ihnen Ihr Arbeitgeber alle notwendigen Einrichtungsgegenstände zur Verfügung? (PC, verstellbaren Stuhl und Tisch, Ablagemöglichkeit...)
  • Bekommen Sie schnelle Hilfe, z. B. vom Helpdesk, wenn Sie Probleme mit dem Rechner oder Programmen haben?
  • Kommt Ihr Arbeitgeber für die Datensicherheit auf oder müssen Sie selbst dafür sorgen? („Eigenhilfe“ grundsätzlich ablehnen).
  • Werden Sie vom Arbeitgeber verpflichtet, eine besondere Versicherung gegen Diebstahl, Einbruch oder eine Besucher-Haftpflicht abzuschließen?
  • Würden Sie erlauben, dass die zuständigen Stellen Ihres Arbeitgebers (Arbeitssicherungsbeauftragter, Werksarzt, Betriebsrat) sich den Telearbeitsplatz ansehen, um Sie zu beraten? (Das ist sehr zu empfehlen, weil die „Gefährdungs-beurteilung“ lt. BGV A1 §3 zwingend erforderlich ist.)
  • Sind die vorhandene elektrischen und mechanischen Einrichtungen an Ihrem Telearbeitsplatz ordnungsgemäß installiert und in einwandfreiem Zustand?
  • Ist die Telearbeit nur zeitweise pro Tag bzw. pro Woche zu leisten oder will der Arbeitgeber, dass Sie die Arbeit ganztags über die Woche erbringen? ( Sie sollten auf jeden Fall regelmäßig wöchentlich in den Betrieb gehen, um Anschluss an das betriebliche Geschehen und den direkten Kontakt zum Vorgesetzten und Kollegen-kreis zu behalten.)
  • Gibt es vom Arbeitgeber für Ihre Telearbeit klar beschriebene Aufgaben, -Volumina und Zeitabschätzungen oder sollen Sie „auf Zuruf“ mit unzulässigen Zeitvorgaben unzumutbare Aufgaben erfüllen? ( Selbstausbeutung und krankmachenden Stress vermeiden!).
  • Wissen Sie, dass die BG-liche Unfallversicherung nur bei Unfällen am Telearbeitsplatz aufkommt, nicht aber sonstwo im häuslichen Bereich, wie z. b. beim Kaffeeholen aus der Küche?
  • Nehmen Sie an regelmäßigen Augenuntersuchungen teil, wie sie nach G 37 bei Bildschirmarbeit vorgeschrieben sind?
  • Entschädigt Sie Ihr Arbeitgeber für den Aufwand der Raum-Miete, -Reinigung, -Energie, den Sie bei Telearbeit haben? (Das geschieht eher selten, weil es doch im Interesse des Arbeitgebers liegen kann, eben gerade daran zu sparen und die Kosten auf Sie abzuwälzen.)
  • Wissen Sie, dass alle Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge bei Telearbeit genauso für Sie gelten wie im Betrieb? (Sie haben auch das Recht auf die Teilnahme an Abteilungs- und Betriebsversammlungen!).
  • Haben Sie die Möglichkeit, an betrieblichen und außerbetrieblichen Weiterbildungs-maßnahmen teilzunehmen? (Eine Verweigerung, die sich als „Karrierebremse“ erweist, darf es nicht geben).
  • Wie wird Ihre Telearbeitszeit erfasst? (Vollautomatisch bei Ein- und Ausschalten des PC ist abzulehnen. Freiwillige Eingabe in den Rechner bzw. Handaufschreibungen sind anzuraten, vorsorglich für den Nachweis der Mehrarbeit und für die Argumentation bei Unstimmigkeiten mit dem Arbeitgeber).
  • Dürfen Sie den Rechner auch für private Belange nutzen? (Wenn ja, ist eine Regelung mit dem Arbeitgeber ist wichtig, damit nichts Unrechtmäßiges unterstellt werden kann.)
  • Ist Ihnen die vollständige Rückkehr an Ihren Arbeitsplatz im Betrieb möglich, wenn Ihre privaten Bedingungen für die Telearbeit entfallen sind?